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Umgangssprachen in Österreich-Ungarn 1910 | Languages in Austria-Hungary,  1910

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Umgangssprachen in Österreich-Ungarn 1910

 

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Languages in Austria-Hungary, 1910

Die Karte zeigt für jede politische Gemeinde in Österreich, ausgenommen Galizien und Bukowina, den Grad der sprachlichen Heterogenität. Die Karte gibt keinen Hinweis darauf, um welche Sprachen es sich im einzelnen handelte, sondern nur darauf, wie einheitlich oder uneinheitlich es innerhalb einer Gemeinde in sprachlicher Hinsicht zuging. Berechnet wurde ein Maß, das bei völliger Einheitlichkeit (das heißt, alle Personen in einer Gemeinde sprechen dieselbe Sprache) den Wert 0 annnimmt. Bei völliger Uneinheitlichkeit (jeder spricht eine andere Sprache — selbstverständlich nur eine theoretische Möglichkeit) ergibt sich der Wert 1. Gibt es in einer Gemeinde genau zwei Sprachen, auf die jeweils 50 Prozent der Bevölkerung entfallen, ist der Wert 0,5. Je mehr Sprachen in einer Gemeinde gesprochen wurden und je gleichmäßiger sie sich auf die Bevölkerung aufteilen, desto höher wird der Wert.1

Man sieht, daß der größte Teil des Gebiets sprachlich ziemlich homogen war. Die Strukturen, die an die Ränder von Wasserflecken erinnern, markieren Grenzen zwischen geschlossenen Siedlungsgebieten von Sprachgemeinschaften. An diesen Grenzen gab es eine gewisse Mischung auch in kleinräumiger Dimension. Ein Beispiel dafür ist die Grenze zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen, die schwach sichtbar ist, was indiziert, daß der Grad der Durchmischung lokal gering und die Sprachgrenze somit scharf war. Viel breiter ist der Übergangsbereich zwischen Deutschen und Slowenen in Kärnten und der Steiermark. Hier sieht man eine Zone mehr oder weniger stark durchmischter Gemeinden. Ein spezieller Fall ist Istrien, das sprachlich besonders inhomogen war, weil hier Italiener, Kroaten und Slowenen jeweils beträchtliche Anteile an der Bevölkerung erreichten.

The map shows the degree of linguistic heterogeneity for each municipality in Austria, excluding Galicia and Bukovina. The map does not indicate which specific languages were involved, but only how uniform or non-uniform the linguistic situation was within a municipality. A measure was calculated which takes the value 0 in the case of complete uniformity (i.e. everyone in a municipality speaks the same language). In the case of complete heterogeneity (everyone speaks a different language — naturally only a theoretical possibility), the value is 1. If there are exactly two languages in a municipality, each spoken by 50 per cent of the population, the value is 0.5. The more languages spoken in a municipality and the more evenly they are distributed among the population, the higher the value.1

It is obvious that the larger part of the country was linguistically fairly homogeneous. The patterns, which resemble the rims of water stains, mark the boundaries between distinct settlement areas of linguistic communities. Along these boundaries, there was a degree of mixing, even on a small scale. One example of this is the border between Czechs and Germans in Bohemia, which is faintly visible, indicating that the degree of intermingling was low locally and the language boundary was therefore sharp. Much broader is the transition zone between Germans and Slovenes in Carinthia and Styria. Here one sees a zone of more or less heavily mixed communities. A special case is Istria, which was particularly linguistically heterogeneous, as Italians, Croats and Slovenes each accounted for a significant proportion of the population.

  1. Details in Pammer, Not so fragmented.

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