Sectoren und Branchen | Sectors

Weiterer Erwerb von landwirtschaftlichen Betrieben in Österreich 1902 | Additional occupations of agricultural holdings in Austria, 1902

Sektoren und Branchen

Weiterer Erwerb von landwirtschaftlichen Betrieben in Österreich 1902

 

Sectors

Additional occupations of agricultural holdings in Austria, 1902

Im Jahr 1902 erhob man im Zug der Landwirtschaftlichen Betriebszählung, welche Betriebe noch einem weiteren Erwerb nachgingen. Ansatzpunkt waren also die Betriebe selbst, nicht die einzelnen dort beschäftigten Personen. Wenn für einen Betrieb ein solcher zusätzlicher Erwerb angegeben ist, bedeutet es nicht, daß alle im Betrieb Beschäftigten diesem zusätzlichen Erwerb nachgingen. Angegeben ist nur die Kombination einer landwirtschaftlichen Tätigkeit mit anderen Tätigkeiten, nicht aber die sonstige Kombination von nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten (zum Beispiel Fleischhauer und Wirt).

Man unterschied bei diesen zusätzlichen Tätigkeiten selbständige und unselbständige Tätigkeiten je nach Sektor: 

  • selbständiger Erwerb in einem weiteren landwirtschaftlichen Betrieb
  • selbständiger Erwerb im gewerblich-industriellen Bereich
  • Hausindustrie
  • Lohnarbeit in der Landwirtschaft
  • Lohnarbeit in Industrie und Gewerbe und 
  • Lohnarbeit ohne weitere Angabe

Es zeigen sich starke regionale Unterschiede in der Wichtigkeit dieser Tätigkeiten.

Die Kombination mehrerer landwirtschaftlicher Betriebe bedeutet, daß jemand zwei oder noch mehr landwirtschaftliche Betriebe als Eigentümer oder Pächter besaß und sie auch gleichzeitig bewirtschaftete. So etwas war generell selten und kam am ehesten im Alpenraum vor.

Eine selbständige Tätigkeit im Gewerbe zusätzlich zur Landwirtschaft war hingegen in einem Teil des Gebiets ziemlich häufig zu finden. Typische Fälle waren kleine Gewerbetreibende (zum Beispiel Schmiede oder Schneider), die auch Kleinhausbesitzer mit ein wenig Grundbesitz und einem kleinen Viehbestand waren. Das war normal in den Alpenländern (besonders ausgeprägt in Vorarlberg), den böhmischen Ländern, in Krain und im Küstenland. Es war nicht üblich in Galizien, der Bukowina und Dalmatien.

Die Hausindustrie war im größten Teil des Gebiets nahezu bedeutungslos, in einzelnen kleineren Gebieten aber sehr wichtig. Diese Hausindustrie spielte sich im Eigenheim ab, stand aber im Zusammenhang mit einem externen Auftraggeber, zum Beispiel einer Fabrik. Material, Arbeitsvorgaben und Vermarktung bestimmten die Auftraggeber. In dieser Hinsicht gab es Parallelen zur Situation von gewerblichen Arbeitern. Eine hausindustrielle Produktion gab es in allen möglichen Branchen. Am wichtigsten war sie in der Textilindustrie. Ein typischer Fall ist Vorarlberg, wo neben der relativ großen Bedeutung der Fabriksarbeit auch die Hausindustrie wichtig war, jeweils in Kombination mit kleinbetrieblicher Landwirtschaft, was insgesamt zu einem verhältnismäßig hohen Wohlstandsniveau führte.

Die Lohnarbeit in der Landwirtschaft war überall eine Option, besonders wichtig war sie in Galizien, der Bukowina, Istrien und Dalmatien. Diese Unterschiede sind auch durch die überhaupt besonders hohe Bedeutung der Landwirtschaft in diesen Ländern bedingt. Wo der gewerblich-industrielle Sektor unterentwickelt war, kam die Nachfrage nach Arbeitskräften vorrangig aus der Landwirtschaft.

Dementsprechend war die Möglichkeit, eine Zusatzbeschäftigung im gewerblich-industriellen Sektor zu finden, in den Industrieregionen erkennbar besser. In Nordböhmen, Nordmähren und Schlesien (Gebiet um Mährisch-Ostrau) sowie in der Obersteiermark kombinierte man leichter und örtlich sogar sehr oft eine Arbeit in der Landwirtschaft mit einer Arbeit in Industrie oder Bergbau.

In 1902, as part of the Agricultural Census, a survey was conducted to identify which farms were engaged in a secondary occupation. The focus was therefore on the farms themselves, not on the individual people employed there. If a secondary occupation is listed for a farm, this does not mean that all those employed on the farm were engaged in that secondary occupation. Only the combination of agricultural work with other activities is listed; other combinations of non-agricultural activities (such as butcher and innkeeper) are not included.

A distinction was made between self-employed and employed activities within these additional activities, depending on the sector: 

  • self-employment in another agricultural holding
  • self-employment in the commercial and industrial sector
  • home-based industry
  • Wage labour in agriculture
  • Wage labour in industry and commerce and 
  • Wage labour without further specification

There are marked regional differences in the importance of these activities.

The combination of several agricultural holdings means that a person owned two or more agricultural holdings as an owner or tenant and also managed them simultaneously. This was generally rare and occurred most frequently in the Alpine region.

Self-employment in trade alongside farming, however, was quite common in parts of the region. Typical examples were small tradespeople (such as blacksmiths or tailors), who were also small-scale homeowners with a little land and some livestock. This was common in the Alpine regions (particularly in Vorarlberg), the Bohemian lands, Carniola and the Coastal Region. It was not common in Galicia, Bukovina and Dalmatia.

Cottage industry was virtually insignificant in most of the country, but very important in certain smaller areas. This cottage industry took place in the home, but was linked to an external client, such as a factory. The clients determined the materials, work specifications and marketing. In this respect, there were parallels with the situation of industrial workers. Cottage industry production existed in all manner of sectors. It was most significant in the textile industry. A typical example is Vorarlberg, where, alongside the relatively great importance of factory work, cottage industry was also significant, in each case combined with small-scale farming, which together led to a relatively high standard of living.

Wage labour in agriculture was an option everywhere, but it was particularly important in Galicia, Bukovina, Istria and Dalmatia. These differences are also due to the particularly high importance of agriculture in these regions. Where the commercial and industrial sector was underdeveloped, the demand for labour came primarily from agriculture.

Consequently, the opportunity to find additional employment in the commercial and industrial sector was noticeably better in the industrial regions. In Northern Bohemia, Northern Moravia and Silesia (the area around Moravian Ostrava), as well as in Upper Styria, it was easier — and locally even very common — to combine work in agriculture with work in industry or mining.

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