Géza Hajós (Hg.)
Stadtparks in der österreichischen Monarchie 1765—1918. Studien zur bürgerlichen Entwicklung des urbanen Grüns in Österreich, Ungarn, Kroatien, Slowenien und Krakau aus europäischer Perspektive
Wien
Böhlau
2007
230 S., 174 farb. Abb.
€ 39,00
Rezensentin: Doris Preindl
Historicum, Winter 2006/2007, 39
Jahrhundertelang war der Garten Teil der adeligen Repräsentation und fester Bestandteil eines Schlosses in der Stadt. Er war im allgemeinen nur einem ausgewählten Personenkreis zugänglich, ein Ort der Muße und der Bildung, die Gartenkunst war hochgeschätzt, und in realer Hinsicht fungierte der Garten als grüne Lunge. Schon im Mittelalter gab es in der unmittelbaren Nachbarschaft von Städten Freiräume, die dem einfachen Volk zugänglich waren und zur Unterhaltung dienten. Im Absolutismus wurden auch diese Freiflächen reguliert und der Zugang beschränkt. In der Aufklärung kam der Gedanke auf, dem Volk bewußt geordnete Grünflächen zur Verfügung zu stellen. So öffnete Kaiser Joseph II. 1766 den Prater und 1775 den Wiener Augarten. Kaiser Franz II./I. schenkte 1817 den Volksgarten dem Wiener Volk. Diese und ähnliche Anlagen dienten zum Amüsement und zur Bildung (im Volksgarten wurde der Theseustempel mit der Ausstellung der Antikensammlung erbaut).
Im 18. Jahrhundert bemächtigte sich das aufstrebende Bürgertum des Statussymbols Parkanlage, und es entstanden Stadt- und Kurparkanlagen, die öffentlich zugänglich waren und somit ein demokratisches Element enthielten. Durch Änderungen in der Kriegskunst wurden die Bastionen und Mauern um die Städte überflüssig und abgerissen. Damit entstand freier Platz, der auch für Parkanlagen genutzt wurde. Denkmäler und Kleinarchitektur sorgten für den Bildungsanspruch, exotische Pflanzen und gestaltete Szenerien brachten die weite Welt in den Park, das Wetterhäuschen diente zur Information, die Wege boten dem lustwandelnden Publikum die Möglichkeit zu schauen und selbst gesehen zu werden. Die Gestaltung der Anlagen änderte sich vom Ende des 18. Jahrhundert bis 1918. Entstehung, Gestaltung und Wandel der Anlagen in der österreichischen Monarchie ist das Thema des Buches.
Folgende zentrale Fragen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen: Welche städtischen und begrünte Freiraumformen standen in den verschiedenen Epochen der bürgerlichen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 18. und im 19. Jahrhundert für welche Schichten der Bevölkerung und für welche Zwecke zur Verfügung? Wer veranlaßte die Errichtung solcher Freiräume? Was waren die charakteristischen und dominanten Freiraumformen in den entsprechenden Epochenabschnitten? Welche Inhalte werden in diesen Anlagen zum Ausdruck gebracht? Mit welchen stilistischen Mitteln vollzog sich die Verwirklichung? Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Städten ähnlich. Waren die ersten Anlagen Geschenke des Herrscherhauses oder von Adeligen, so entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bürgerliche Verschönerungsvereine, die Flächen kauften und Parkanlagen anlegten. Formal wurden diese Parks einerseits aus der Tradition der barocken Gartenkunst gestaltet, andererseits war der englische Landschaftsgarten Vorbild. War der Barockgarten Vorbild, wurde der Park nach geometrischen Prinzipien mit schnurgeraden Wegen und Baumalleen sowie einer geometrischen Gestaltung der Blumenbeete gestaltet. Gartenarchitekten empfahlen den geometrischen Stil auch, weil es polizeilich besser kontrollierbar war. War der englische Landschaftspark Vorbild, wurden verschlungene Pfade angelegt, malerische Baumgruppen und Wiesen, unregelmäßig abgegrenzte, naturnahe Teichanlagen, Inseln et cetera angelegt. Der Zweck war immer gleichermaßen die allgemeine Zugänglichkeit und modische Begegnungsstätte der Bürger. Durch die immer fortscheitende Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde die Notwendigkeit von Grünflächen in den dicht bebauten Städten als notwendig für die Gesundheit der Bevölkerung erkannt und gefordert. So wurde zum Beispiel bei der Stadterweiterung von Wien bei den sternförmig angelegten breiten Straßen in die nun eingemeindeten Vororte Alleen angelegt, bewußt wurden Flächen nicht verbaut, um Grünflächen anzulegen, die nur der Erholung und der Verbesserung der Luftqualität dienen sollten. Die systematisch angelegten Grünflächen gehörten den Gemeinden und wurden von städtischen Gärtnern gepflegt.
Seit der Aufklärung war der »Denkmalhain« ein Ort, wo die großen Gestalten der jeweiligen Nation verehrt wurden. In der Auswahl der dargestellten Personen wurden politische Programme verpackt. Gerade unter Kaiser Franz Josef durften in keinem Park seine und Elisabeths Büste fehlen. Unterschieden sich die ausgewählten Großen sonst in Österreich, Ungarn, Böhmen und so weiter, betonte das Kaiserhaus die Gemeinsamkeiten. So schuf der einheitliche Gestaltungswunsch des Bürgertums in der Monarchie ähnliche Parkanlagen, die zur Selbstdarstellung dienten.
Diese Fragestellungen wurden in verschiedenen Forschungsprojekten erarbeitet und mit unterschiedlichen Gewichtungen in den Beiträgen zusammengefaßt. Ein reichhaltiges Bildmaterial ergänzt den Text. Besonders die abgebildeten Ansichtskarten von 1900 zeigen, wie ähnlich und gleichartig Parkanlagen gestaltet waren. So ist das Buch eine spannende Lektüre für jeden an der Gartenkunst Interessierten.