Peter Stadler
Quantitative Studien zur Archäologie der Awaren I
Mit Beiträgen von Walter Kutschera, Walter Pohl und Eva Maria Wild
Wien
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
2005
238 S., 209 Tafeln, 2 CD-ROMs
€ 129,00
Habilitationsschrift [2004], Universität Wien
Rezensent: Michael Pammer
Historicum, Frühling—Sommer 2007, 5—7
Der Prähistoriker Peter Stadler, der im Naturhistorischen Museum in Wien tätig ist, beschäftigt sich in seiner Forschung seit langem mit dem Einsatz von Statistik in der Analyse archäologischer Daten und mit der elektronischen Erschließung und Aufbereitung großer Mengen von archäologischen Funden. Stadler ist seiner Ausbildung nach promovierter technischer Chemiker und promovierter Ur- und Frühgeschichtler, hat ein Lehramtsstudium der Mathematik, Chemie und Physik absolviert und unterrichtete auch kurz an höheren Schulen. Er bietet im Rahmen der archäologischen Ausbildung an der Universität Wien unter anderem Lehrveranstaltungen für Statistik und EDV in der Archäologie an. Beides, die Anwendung in der Forschung und die Erfahrung mit der Vermittlung in einführenden Lehrveranstaltungen, prägt auch den vorliegenden Band, für den der Autor die Lehrbefugnis für Ur- und Frühgeschichte erhielt: Gut die Hälfte des Textes besteht aus methodologischen Darlegungen, die andere Hälfte präsentiert Ergebnisse zur Typologie und Verbreitung von Funden der Awarenzeit und damit zusammenhängenden Fragen wie Chronologie, Besiedlung und ethnische Struktur. Die methodologischen Ausführungen sind zwar zum Verständnis der Awaren-Studien nützlich, bedienen sich aber überwiegend anderer Anschauungsbeispiele und sind so umfangreich, daß sie dem Band eine eigene Note geben.
Klassifikation und Datierung
Der Einsatz von Statistik in Arbeiten wie der vorliegenden hat zwei Ziele, nämlich erstens komplexe Beziehungen mittels weniger Kennzahlen vereinfacht darzustellen und zweitens die Fehlerwahrscheinlichkeit von Aussagen abzuschätzen. Die Verwendung von EDV ermöglicht es, dabei große Datenmengen einzubeziehen. In der Archäologie liefert die Statistik einen Beitrag zu einem Hauptproblem, mit dem das Fach immer konfrontiert ist: Sie erlaubt es, Fundkomplexe in einem Untersuchungsgebiet ihrer Ähnlichkeit nach zusammenzufassen und sie dabei insbesondere auch in eine zeitliche Abfolge einzureihen, also eine Relativchronologie herzustellen. Es handelt sich somit um Klassifikationsprobleme, für die statistische Verfahren eingesetzt werden, wie sie auch in anderen Fächern wie Soziologie, Sozialgeschichte und so weiter für andere Zwecke zum Einsatz kommen, im vorliegenden Fall die Korrespondenzanalyse und ihr ähnliche Verfahren und die Clusteranalyse.
Solche Verfahren empfehlen sich für eine Relativchronologie besonders dann, wenn die Vertikalstratigraphie keine ausreichend guten Daten bietet. Die Vertikalstratigraphie untersucht Fundorte nach Schichten, wobei angenommen wird, daß weiter unten liegende Schichten und die darin enthaltenen Funde normalerweise älter sind als die oberen Schichten. Da nicht alle Fundorte einen ausreichend gut beobachtbaren Schichtaufbau bieten und besonders früher auch die Dokumentation nicht immer ausreichend gut war, weicht man gegebenenfalls auf typologische Vergleiche von Fundobjekten und Kombinationsstatistik aus.
Voraussetzung der kombinationsstatistischen Relativchronologie ist die Annahme, daß Fundobjekte in zeittypischen Formen auftreten. Da die Zeiträume, in denen verschiedene Typen vorkommen, einander überlappen, kann aus einer Vielzahl von Fundinventaren eine Abfolge erschlossen werden. Was einen Typus bildet, ist selbstverständlich nicht vorgegeben, sondern wird nach den vorgefundenen Verhältnissen bestimmt; Ziel ist die Definition von Typen, die zeitlich spezifisch auftreten (also nicht zusammen mit anderen Typen aus allen Zeiträumen vorkommen). Stadler skizziert das Grundproblem in einer leicht verständlichen, didaktisch offenbar erprobten Art und präsentiert dann ebenso verständlich einen einfachen Algorithmus für die Seriation von Fundinventaren entsprechend der Ähnlichkeit der vertretenen Typen. Im wesentlichen entspricht das Verfahren dem Grundgedanken einer Korrespondenzanalyse.
So einfach diese Vorgangsweise prinzipiell ist, so aufwendig wird die Umsetzung, sobald man die Zahl der einbezogenen Typen und Fundkomplexe vermehrt. Der Einsatz von EDV wird hier rasch unverzichtbar. Von vornherein etwas komplexer ist das Problem der Horizontalstratigraphie, also des Vergleichs von nebeneinander liegenden Fundkomplexen, wiederum nach dem Kriterium der Ähnlichkeit. Komplexer wird das Problem deshalb, weil es nun nicht mehr nur darum geht, Funde in einer zeitlichen Reihe anzuordnen, sondern weil Fundkomplexe hinsichtlich ausgewählter Merkmale mit allen umliegenden Fundkomplexen verglichen werden müssen. Zweck der Übung ist es, in einem Untersuchungsareal Zonen zu bestimmen, die dem Fundmaterial nach eine gewisse Einheitlichkeit aufweisen; alle zu einer solchen einheitlichen Zone gehörenden Fundkomplexe wären dann chronologisch ungefähr gleich einzuordnen. Da man es mit einer Vielzahl von Merkmalen zu tun hat, die nicht unbedingt dieselben Verbreitungsmuster aufweisen, ergeben sich zwischen Fundkomplexen Zusammenhänge von ganz unterschiedlicher Intensität.
Stadler erläutert diesen Teil anhand von Anwendungsbeispielen aus verschiedenen Kulturen, darunter die ältestlinearbandkeramische Siedlung Brunn am Gebirge (Flur Wolfholz), bei der er selbst die Grabungsleitung innehat, sowie Franzhausen I in Niederösterreich (Frühe Bronzezeit), Altenerding in Bayern (Merowingerzeit) und Nevoline in Rußland (6. bis Anfang 9. Jahrhundert). Ausgangspunkt der Untersuchung sind Karten, die angeben, ob und wie oft in jedem der Fundkomplexe des Untersuchungsgebietes ein bestimmtes Merkmal auftritt. In weiterer Folge wird die Zahl der Nächsten Nachbarn eines jeden Fundkomplexes definiert, unter denen gesucht wird (das heißt es wird festgelegt, wie groß der Umkreis ist, in dem Vergleiche angestellt werden). Dann wird die Häufigkeit geschätzt, mit der das interessierende Merkmal unter den Nächsten Nachbarn zu erwarten wäre, wenn die Verteilung zufällig wäre, das heißt wenn die Wahrscheinlichkeit des Auftretens in jedem Bereich des Untersuchungsgebiets gleich hoch wäre (dazu benötigt man nur die Information, wie oft das Merkmal überhaupt im Untersuchungsgebiet auftritt und wie viele Fundkomplexe es gibt). Und schließlich wird diese erwartete Häufigkeit mit der tatsächlichen Häufigkeit des Auftretens unter den Nächsten Nachbarn verglichen und geschätzt, ob die ermittelten Unterschiede zufällig sind oder nicht. Eine erweiterte Variante setzt das Vorkommen eines Merkmals in einem Fundkomplex in Zusammenhang mit dem Vorkommen nicht desselben, sondern eines bestimmten anderen Merkmals in der Umgebung (dies deshalb, weil unter Umständen zwei Fundkomplexe, die in denselben historischen Zusammenhang gehören, von vornherein unterschiedliche Merkmale erwarten lassen, zum Beispiel wenn Frauen- und Männergräber unterschiedlich ausgestattet wurden).
Kartierungen, bei denen sich ergibt, daß die Merkmale nicht zufällig, sondern signifikant häufiger in benachbarten Komplexen auftreten, werden dann in eine Liste von Relationen zwischen Fundkomplexen eingebracht, auf deren Basis schließlich eine Clusteranalyse gerechnet wird, die Gruppen aus einander ähnlichen Fundkomplexen ergibt. In den präsentierten Anwendungsbeispielen entstehen auch wirklich klar getrennte Gruppen, die in der Kartierung jeweils eigene Zonen einnehmen, deren Interpretation (chronologisch oder sozial unterschieden) Stadler dann in diesem Zusammenhang nicht mehr näher ausführt. Dieser Teil wird allerdings äußerst sparsam erläutert; hier wäre es im Sinn des einführenden Charakters dieses Abschnitts sinnvoll gewesen zu erläutern, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen würden, je nachdem, welche Zahl von Clustern gebildet wird, welche Clustermethoden angewendet und wie die Distanzen zwischen den Fällen gemessen werden.
In einem weiteren längeren Abschnitt geht Stadler auf die Grundlagen der Radiokarbondatierung ein. Das Prinzip von 14C-Datierung und praktische Fragen der Probenpräparation (wesentlich für eine korrekte Messung) erläutern Walter Kutschera und Eva Maria Wild. In Kutscheras Abschnitt geht es auch um die Frage, die Stadler in der Folge hauptsächlich beschäftigt, nämlich um die Kalibration von 14C-Daten; das Problem liegt darin, daß nicht kalibrierte 14C-Daten Meßergebnisse liefern, die voraussetzen, daß die Konzentration des radioaktiven Kohlenstoffisotops im Lauf der Jahrtausende immer gleich gewesen sei. Diese Annahme ist aber nicht richtig, weshalb die »rohen« 14C-Messungen in korrigierte Daten umgerechnet werden müssen; das Ergebnis von Kalibrationen ist ein höheres Schätzalter der Probe als bei unkalibrierten Schätzungen (ein unkalibriertes 14C-Alter von 6500 Jahren erhöht sich durch Kalibration um 800 bis 1000 Jahre). Die dabei verwendeten Kurven enthalten allerdings zahlreiche mehrdeutige Stellen, sodaß kalbrierte Schätzungen oft mehrere mögliche Lösungen und ein breiteres Datierungsintervall ergeben. Stadler demonstriert all dies an einer Reihe von Beispielen und stellt dar, wie man zu Entscheidungen zwischen verschiedenen angebotenen Lösungen gelangt.
Datenbank und Auswertungen
Einen eigenen Teil der methodologischen Ausführungen bildet die Erläuterung des von Stadler entwickelten Programmpakets WinSerion, das in Verbindung mit einer Bilddatenbank funktioniert und auf dieser Basis Auswertungen ermöglicht. Die verfügbaren Funktionen der Bilddatenbank sind auf die Erfordernisse der archäologischen Arbeit abgestimmt und erweitern die üblichen Funktionen der verbreiteten Datenbankprogramme. Sie schließen bereits wesentliche Inhalte archäologischer Analyse ein, da die Eingabe mit einer typologischen Zuordnung beziehungsweise auch der Veränderung einer schon vorliegenden Typologisierung einhergeht (diese Möglichkeit einer Modifikation der Typologisierung ist ganz wesentlich). Die Auswertungen mit WinSerion ermöglichen auf der Grundlage der Bilddatenbank die Durchführung der vorhin beschriebenen Prozeduren, also die Erstellung von Chronologien, die Analyse der Nächsten Nachbarn, aber auch die Erstellung von Verbreitungskarten.
Die Ziele der Bilddatenbank liegen zum einen in der Aufnahme der Bilder aus zahlreichen Publikationen, die bisher mangels Überschaubarkeit und wegen des erforderlichen Zeitaufwands kaum in einen umfassenden Vergleich einbezogen werden konnten. Es handelt sich in diesem Sinn also um eine Sekundäranalyse, die aber durch die Einbeziehung einer ungeheuren Zahl von Daten aus Einzelforschungen neue Analysemöglichkeiten eröffnet. Wichtig ist weiters die Beschleunigung der Bearbeitungsgeschwindigkeit etwa bei Typologisierungen, die nach Angabe des Autors gegenüber konventionellen Typologien im Verhältnis von hundert zu eins steht. Auch für die Bildaufnahme wurden effiziente Verfahren entwickelt; bereits zum Stand der Drucklegung des Bandes dauerte die Eingabe eines Bildes samt Beschreibungen nur etwa eine Minute. Der Aufwand für das Projekt war und ist trotzdem beträchtlich — wiederum zum Stand von 2005 enthielt die Datenbank an die 300.000 Gegenstände, etwa die Hälfte davon zur awarischen Kultur gehörig.
Ergebnisse
Damit zu den Ergebnissen der Awarenforschung, die Stadler in der zweiten Hälfte des Bandes präsentiert. Mit den methodologischen Teilen hängen sie insofern zusammen, als hier typologische und chronologische Analysen nach den vorher beschriebenen Verfahren vorgenommen und Verbreitungsmuster von Typen ausgedehnt kartographisch dargeboten und im Text besprochen werden. Basis ist selbstverständlich die Bilddatenbank, die im Bereich der awarischen Kultur nicht nur besonders umfangreich ist, sondern auch einen besonders weit gediehenen Bearbeitungsstand aufweist, da hier bereits eine typologische Ordnung vorgenommen wurde (in fast allen anderen Teilen der Datenbank wurden die Gegenstände zwar erfaßt, aber typologisch noch nicht zugeordnet).
Eine Einleitung zur Geschichte der Awaren, die besonders auf das Verhältnis von schriftlichen und archäologischen Quellen eingeht, hat Walter Pohl verfaßt. Mit der Gegenüberstellung der schriftlichen Quellen, die gut abgesicherte Erkenntnisse über das awarische Khaganat und seinen Aktionsraum von der Besetzung des Karpatenbeckens 567/568 bis um etwa 800 bieten, und der archäologischen Befunde, aus denen materielle Kultur, Tracht, Bewaffnung und so weiter ersichtlich werden, wird auch deutlich, worin die spezifischen Möglichkeiten der archäologischen Erforschung dieser Kultur liegen — die Abgrenzung des awarischen Siedlungsgebiets, die ethnische Zugehörigkeit und ethnische Ausdifferenzierung können, soweit überhaupt möglich, nur mit den archäologischen Quellen erfaßt werden.
Die folgenden archäologischen Untersuchungen beginnen mit allgemeinen anthropologischen Analysen und einer Zuordnung von Objekttypen zu Männern, Frauen und Pferden. In der Bilddatenbank waren 24.000 awarenzeitliche Grabkomplexe mit Beigaben erfaßt, in den erfaßten Gräberfeldern befinden sich darüber hinaus noch ungefähr 37.000 Gräber ohne Beigaben. Jeweils 39 Prozent der Gräber mit Beigaben sind sicher oder zumindest wahrscheinlich Gräber von Männern beziehungsweise von Frauen, 4 Prozent sind Pferdegräber, der Rest ist unbestimmbar. Entsprechend den Beigaben berechnet Stadler einen Koeffizienten, der für funktionelle Typen von Fundobjekten (zum Beispiel Metallschüsseln, Scheren, Armreifen, Steigbügel und so weiter) angibt, inwieweit sie spezifisch für Männer-, Frauen- oder Pferdegräber sind. Die dann vorgenommene Seriation der Typen für Männer- und Frauengräber folgt dem oben erwähnten an überschaubaren Beispielen demonstrierten Verfahren, bezieht hier allerdings eine enorme Zahl von Fundkomplexen und Typen mit ein.
Bei den anschließenden Untersuchungen auf der Grundlage von Radiokarbondatierungen ist besonders der Vergleich von 14C-Datierungen mit Datierungen mittels Münzfunden aufschlußreich. Münzfunde sind in awarischen Gräbern selten, in den etwa 61.000 ausgegrabenen Gräbern gibt es lediglich fünfzig davon. Stadler vergleicht Münzdatierungen von fünf Fundkomplexen in Szegvár mit Radiokarbondatierungen derselben Fundkomplexe. Die Abweichungen betragen im Mittel zwischen zwei und 43 Jahren, wobei die Datierungsintervalle jeweils überlappen. Hier wie auch in der Folge hebt der Autor hervor, daß sowohl 14C-Datierung als auch Münzdatierung erstens Unsicherheiten prinzipieller Art unterliegen und zweitens unterschiedliche Dinge messen: Die Münzdatierung stellt fest, wann die Münze geprägt wurde; wie lange sie in Umlauf war, ist nicht bekannt. Unter der Annahme, daß meistens prägefrische Münzen ins Grab gegeben wurden, mißt die Münzdatierung am ehesten den Todeszeitpunkt. Die 14C-Datierung von Knochen mißt hingegen den Zeitpunkt, zu dem die betreffende Person etwa zwanzig Jahre alt war (für die Datierung wird das Kollagen aus den Knochen verwendet), nicht aber den Todeszeitpunkt; da das Sterbealter nicht immer bekannt ist, kann daher der Todeszeitpunkt nicht in jedem Fall aus der Radiokarbondatierung erschlossen werden. Andererseits stammt ein großer Teil der Beigaben ohnehin aus der Zeit der Initiation der betreffenden Person, wäre daher mit der 14C-Datierung annähernd korrekt bestimmt. Stadler bestimmt dann die absolute Chronologie der awarischen Männergräber zwischen 568 und 822 mittels Radiokarbondaten und stellt das Ergebnis seiner eigenen früheren Chronologie, die auf Münzdatierung beruhte, gegenüber.
Abschließend wendet sich der Autor dem Thema der »ethnischen« Gruppen zu, also der Identifikation awarischer, germanischer und byzantinischer Gräber auf der Grundlage der Funde und der Klassifikation ihrer Typen. Bei dieser Untersuchung wird festgestellt, welche funktionellen Typen gemeinsam in Gräbern vorkommen; nach der Häufigkeit der jeweiligen Kombinationen bildet Stadler Cluster, die anschließend aufgrund charakteristischer Beigaben, vor allem Tracht und Bewaffnung, gewisse Rückschlüsse auf die ethnische Zugehörigkeit, aber auch soziale, etwa berufliche, Zuordnungen erlauben.
Der Rest des Bandes beinhaltet eine detailreiche Dokumentation der Verbreitung von awarenzeitlichem Fundmaterial, nach Typen gegliedert. Dies passiert nicht nur in tabellarischer Form im Text, sondern auch mit einer großen Zahl von Verbreitungskarten. Diese Verbreitungskarten bilden einen größeren Abschnitt des Tafelteils und sind in typologisch verfeinerter Gliederung auf den beiden CDs enthalten, die dem Band beigefügt wurden. Ein den CDs entnommenes Beispiel ist in der Abbildung ersichtlich. Im Original sind die Karten farbig, alle zeigen den gleichen Kartenausschnitt.
Zusammenfassung
Die Untersuchung beeindruckt vor allem durch die Einbeziehung enormer Mengen von Material sowohl bei der Erfassung als auch bei der Auswertung. Möglich wurde dadurch die Analyse des gesamten Karpatenbeckens in der gesamten Awarenzeit in einer feinen Differenzierung. Die Untersuchung reicht von der beschreibenden Kartierung einer Vielzahl von Fundtypen über die Seriation dieser Typen in einer Gesamtschau und Absolutchronologie (mittels Radiokarbon- und Münzdatierungen) bis zur sozialen Analyse von Fundkomplexen nach Kriterien wie Geschlecht, Beruf und ethnischer Zugehörigkeit. In der Gewichtung sind die letzteren Fragen freilich von geringerer Bedeutung, der Schwerpunkt liegt im laufenden Text klar auf der Chronologie, im Tafelteil (auf Papier und CD) und den begleitenden Texttabellen auf den Verbreitungskarten.
Die methodologischen Grundlagen werden in ausgedehnter Weise erläutert, wobei der Autor durchaus auch den Bereich der Awarenforschung verläßt. Dieser Teil ist insofern uneinheitlich ausgefallen, als der Autor die einfacheren Fragen relativ ausführlich erläutert, die komplexeren Verfahren hingegen eher knapp abhandelt. Der Band hat also, positiv ausgedrückt, ein heterogenes Zielpublikum.
Der Band demonstriert eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der verwendeten statistischen Verfahren und den Wert der vom Autor konzipierten und durchgeführten Erfassung der bisher isoliert vorliegenden Forschungsergebnisse in einem Gesamtprojekt.