Analphabetismus 1910 | Illiteracy in 1910




Die Volkszählungen in Österreich-Ungarn liefern auch Angaben über die Alphabetisierung. Eine dabei verwendete Kategorie ist meist »Kann lesen und schreiben«. Bei diesen Angaben ist unklar, wie weit diese Lese- und Schreibfähigkeit tatsächlich ging, also wie weit etwa das Leseverständnis ging.
Brauchbarer sind die Angaben über vollständigen Analphebetismus. Man kann annehmen, daß Personen, für die angegeben wird, sie könnten weder lesen noch schreiben, tatsächlich Analphabeten waren. Eine solche Kategorie existiert in der Volkszählung 1910 in Österreich und Bosnien-Herzegowina. Die Ergebnisse sind hier auf der vierten Karte dargestellt.
In Ungarn gab es hingegen nur die zusammenfassende Kategorie »Kann nur lesen oder weder lesen noch schreiben«. Eine solche Kategorie (also faktisch »kann nicht schreiben«) kann auch in Österreich und Bosnien-Herzegowina aus den verfügbaren Daten gebildet werden. Der Unterschied zum kompletten Analphabetismus ist allerdings, wie man in diesen Gebieten sieht, sehr gering, denn nur für verhältnismäßig wenige Personen wird angegeben, sie könnten zwar lesen, nicht aber schreiben. Um einen Vergleich von Ungarn mit den restlichen Gebieten zu ermöglichen, zeigen die ersten beiden Karten diese Kategorie der nicht schreibfähigen Personen.
Einbezogen wurde in der österreichischen Volkszählung die Bevölkerung ab 10 Jahren, in der ungarischen die Bevölkerung ab 11 Jahren. In Bosnien-Herzegowina gibt es die Möglichkeit, entweder die Bevölkerung ab 7 Jahren oder die Bevölkerung ab 20 Jahren einzubeziehen. Die Unterschiede sind aber ganz gering.
Die ersten beiden Karten stellen die Ergebnisse für Frauen und Männer getrennt dar, die dritte Karte zeigt den Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern in Prozentpunkten. Die Angaben sind also so zu verstehen, daß bei einem Anteil nicht schreibfähiger Frauen von 60 Prozent und einem Anteil nicht schreibfähiger Männer von 50 Prozent eine Differenz von 10 Prozentpunkten angegeben wird.
The censuses in Austria-Hungary also provide data on literacy. One category commonly used is »Can read and write«. With these figures, it is unclear just how far these reading and writing skills actually extended, that is, to what extent reading comprehension was involved.
More useful are the figures on complete illiteracy. It can be assumed that people reported as being unable to read or write were in fact illiterate. Such a category exists in the 1910 census in Austria and Bosnia-Herzegovina. The results are shown here on the fourth map.
In Hungary, by contrast, there was only the comprehensive category »Can only read or can neither read nor write«. Such a category (effectively »cannot write«) can also be derived from the available data for Austria and Bosnia-Herzegovina. However, the difference to complete illiteracy is very small, as can be seen in these areas. Only a relatively small number of people are reported as being able to read but not to write. Thus, it would be inappropriate to call this category »semiliterate«. To enable a comparison between Hungary and the other areas, the first two maps show this category of people unable to write.
According to the numbers of the Austrian census, the population aged 10 and over was included. The Hungarian census refers to the population aged 11 and over. In Bosnia and Herzegovina, it is possible to include either the population aged 7 and over or the population aged 20 and over. However, the differences are very small.
The first two maps show the results for women and men separately; the third map shows the difference between the two genders in percentage points. The figures should therefore be understood as follows: if 60 per cent of women and 50 per cent of men are illiterate, a difference of 10 percentage points is indicated.
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