Landwirtschaft | Agriculture

Zugtiere und Zugleistung in Österreich 1902 | Draught animals and traction power in Austria, 1902

Landwirtschaft

Zugtiere und Zugleistung in Österreich, 1902

 

Agriculture

Draught animals and traction power in Austria, 1902

Traktoren als Zugmaschinen verbreiteten sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Wandel setzte Anfang der fünfziger Jahre ein und war binnen zwei Jahrzehnten im wesentlichen abgeschlossen. Bis dahin waren Zugtiere im Einsatz. Die Erhebungen Anfang des 20. Jahrhunderts geben einen Eindruck davon, wie intensiv Zugtiere eingesetzt wurden und um welche Tiere es sich handelte.

Die erste Karte zeigt das Gesamtausmaß. Einbezogen sind alle Arten von Zugtieren, außer Pferden und Zugochsen auch die viel weniger zahlreichen Esel, Maulesel und Maultiere. Nicht einbezogen ist die Nutzung von Kühen als Zugtiere. Es gab sie sicherlich, doch ist sie nicht dokumentiert. Die Leistung der Zugtiere ist auf die Zahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft bezogen. Die Spannbreite reicht von weniger als 0,05 kW pro Arbeitskraft bis über 0,3 kW. Ein Pferd wäre mit 0,74 kW (= 1 PS) anzusetzen, das heißt in den Gebieten mit der höchsten Ausstattung kam annähernd die Zugleistung eines Pferds auf zwei Arbeitskräfte.

Die Unterschiede sind nicht durchwegs leicht erklärbar. Die niedrige Ausstattung mit Zugleistung in Tirol und Vorarlberg legt einen Zusammenhang mit dem dort geringeren Gewicht des Ackerbaus gegenüber der Viehzucht nahe, doch ist die Ausstattung mit Zugtieren in anderen Gebieten mit ebenfalls hohem Anteil der Viehzucht (Salzburg, Kärnten, Obersteiermark) viel höher. Ein Zusammenhang mit der Arbeitsproduktivität im Ackerbau ist nicht erkennbar. Der gesamte alpine Bereich hatte bei der pflanzlichen Produktion eine niedrige Arbeitsproduktivität, doch galt dies auch für Galizien und die Bukowina, die mit Zugleistung sehr gut ausgestattet waren. Hingegen waren die im Ackerbau produktivsten Gebiete in Böhmen, Mähren und Teilen Niederösterreichs keinesweg am besten mit Zugleistung ausgestattet.

Welche Zugtiere man verwendete, ist ebenfalls nicht leicht zu erklären. Zur Wahl standen im wesentlichen Pferde und Ochsen. Die zweite Karte zeigt, daß Pferde in Mähren, Galizien, der Bukowina, Vorarlberg und Teilen Salzburgs und Niederösterreichs deutlich bevorzugt wurden. In den anderen Gebieten waren Ochsen verhältnismäßig wichtig. Ein Zusammenhang mit der höheren Produktivität von Pferden und dem regionalen Lohnniveau ist somit eher auszuschließen, da unter den Gebieten mit Präferenz für Pferde alle Entwicklungsniveaus zu finden sind. Auch ein Zusammenhang mit der Oberflächengestalt, dem Temperament und der Geschwindigkeit der Tiere drängt sich nicht auf. Pferde haben im flachen Gelände den Vorteil höherer Geschwindigkeit; Ochsen haben Vorteile bei stärkerer Hangneigung und beim Ziehen besonders schwerer Lasten wie zum Beispiel bei der Forstarbeit. Auch in dieser Hinsicht ist das Ergebnis aber recht uneinheitlich.

Tractors as draught animals only became widespread after the Second World War. The transition began in the early 1950s and was largely complete within two decades. Until then, draught animals had been in use. Data from the early 20th century give an impression of how intensively draught animals were used and which animals were involved.

The first map shows the overall extent. It includes all types of draught animals; in addition to horses and draught oxen, it also includes the much less numerous donkeys, hinnies and mules. The use of cows as draught animals is not included. It certainly existed, but is not documented. In the map, the output of draught animals is expressed in relation to the number of agricultural workers. The range extends from less than 0.05 kW per worker to over 0.3 kW. A horse would be rated at 0.74 kW (= 1 hp), meaning that in the areas with the highest draught power, approximately two workers could use the draught power of one horse.

The differences are not always easy to explain. The low level of draught power in the Tyrol and Vorarlberg suggests a link with the fact that crop production is less prevalent there compared to livestock farming; however, the number of draught animals is much higher in other regions where livestock farming also accounts for a significant proportion of agricultural activity (Salzburg, Carinthia, Upper Styria). No correlation with labour productivity in arable farming is apparent. The entire Alpine region had low labour productivity in crop production, yet this also applied to Galicia and Bukovina, which were very well equipped with draught power. Conversely, the most productive areas in arable farming in Bohemia, Moravia and parts of Lower Austria were by no means the best equipped with draught power.

It is also not easy to explain which draught animals were used. The main choices were essentially horses and oxen. The second map shows that horses were clearly preferred in Moravia, Galicia, Bukovina, Vorarlberg and parts of Salzburg and Lower Austria. In the other areas, oxen were relatively important. A link with the higher productivity of horses and regional wage levels can therefore be ruled out, as all levels of development are found among the areas with a preference for horses. Nor does a connection with the terrain, the temperament and the speed of the animals suggest itself. Horses have the advantage of greater speed on flat terrain; oxen have advantages on steeper slopes and when pulling particularly heavy loads, such as in forestry work. In this respect, too, however, the results are rather inconsistent.

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