Bevölkerungsstand | Population

Geschlechterproportion | Sex ratio

Bevölkerungsstand | Population

Geschlechterproportion | Sex ratio

Die Geschlechterproportion, also das Verhältnis zwischen der Zahl der Männer und der Zahl der Frauen, nahm im Jahr 1910 je nach Region völlig verschiedene Werte an. Der Grund liegt in der jeweiligen Migrationsgeschichte. Bei der Geburt bestand insgesamt natürlicherweise ein etwas höherer Anteil von Buben, doch war der Anteil der Buben auch bei der Säuglings- und Kindersterblichkeit höher. Ebenso war die Sterblichkeit der Männer im späteren Alter im allgemeinen höher, allenfalls mit Ausnahme der fertilen Jahre der Frauen, in denen durch die mit den Geburten verbundenen Risiken die Sterblichkeit der Frauen an die der Männer herankam. Natürlicherweise wäre also die Geschlechterproportion in der Gesamtbevölkerung annähernd ausgeglichen, eventuell mit einem leichten Überhang der Frauen.

Die Unterschiede kamen durch die unterschiedliche Wanderung von Männern und Frauen zustande, wobei die Verläufe je nach Region unterschiedlich zu erklären sind. Eine wesentliche Frage ist, welche Rolle jeweils geschlechtsspezifische Zu- und Abwanderung spielten, da alle Konstellationen möglich waren. Die meisten Regionen und auch Österreich-Ungarn insgesamt hatten um 1900 einen Wanderungsverlust, das heißt es wanderten mehr Personen ab als zu (zum Beispiel hatte Galizien 1900—1910 einen Wanderungsverlust von 6,7 Prozent, Österreich insgesamt einen Verlust von 2,6 Prozent). Im Rahmen der Binnenwanderung hatten einige Regionen aber auch einen Wanderungsgewinn. Die wichtigsten Faktoren dafür waren Verstädterung und sektorale Struktur, es gab aber immer regional wirksame Faktoren. Die sektorale Struktur konnte sich so auswirken, daß eine Region mit Bergbau und Schwerindustrie Arbeitsmigranten anzog, bei denen es sich zum größeren Teil um Männer handelte, weil in diesen Branchen vor allem Männer arbeiteten. Es sind aber bei weitem nicht alle Bergbau- und Industriegebiete männlich dominiert und auch nicht notwendigerweise Zuwanderungsgebiete. Umgekehrt findet man Regionen wie die südlichen Länder, ohne relevante Industrialisierung und überwiegend mit Wanderungsverlust, bei ganz unterschiedlichem Ergebnis für die Geschlechterproportion. 

The sex ratio — that is, the ratio between the number of men and the number of women — varied considerably from region to region in 1910. This is due to the specific migration history of each area. At birth, there was naturally a slightly higher proportion of boys overall, but the proportion of boys was also higher in terms of infant and child mortality. Similarly, mortality among men was generally higher in later life, with the possible exception of women’s childbearing years, when the risks associated with childbirth meant that female mortality approached that of men. Naturally, therefore, the sex ratio in the total population would be roughly balanced, possibly with a slight surplus of women.

These differences arose from the varying migration patterns of men and women, with the specific trends in each region requiring separate explanations. A key question is what role gender-specific in-migration and out-migration played in each case, as all possible combinations were present. Most regions, and Austria-Hungary as a whole, experienced a net migration loss around 1900, meaning that more people left than arrived (for example, Galicia had a net migration loss of 6.7 per cent between 1900 and 1910, whilst Austria as a whole had a loss of 2.6 per cent). However, within the context of internal migration, some regions also experienced a net migration gain. The most important factors for this were urbanisation and sectoral structure, though there were always regionally specific factors at play. The sectoral structure could have the effect that a region with mining and heavy industry attracted labour migrants, the majority of whom were men, as these sectors were predominantly male-dominated. However, by no means are all mining and industrial areas male-dominated, nor are they necessarily areas of net migration. Conversely, there are regions such as the southern areas, which lack significant industrialisation and predominantly experience net migration loss, yet show very different results in terms of gender proportions. 

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